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13 Mai 2012

Der Euro als Projektion?

Posted by Bachsau. Ein Kommentar

Wer einmal aufmerksam die Nachrichten verfolgt, der wird sicher schon bemerkt haben, dass sich zwischen Debatten um Schuldenkriese und Euro-Rettungsschirm auch immer wieder einzelne, höchst konservative Forderungen mischen: “Griechenland ausschließen!”, “De-Mark wieder einführen!”, “Euro abschaffen!”. Häufig natürlich vor allem von jenen Bevölkerungsschichten, die dem Geldmarkt so fern sind, wie die Erde dem Mars. Und die deshalb noch immer dem Trugschluss aufsitzen, den sie an den Supermarkt-Regalen zu erkennen glauben: Dass der Euro alles verteuert hat. Ein irrglaube, der einer umfassenden Betrachtung des Finanzmarktes nicht standhält. Den Euro gibt es auch schon seit 1998, die Europäische Währungseinheit schon deutlich länger. Doch erst mit der Einführung als Bargeld am ersten Januer 2002 wurde er für weitere Bevölkerungsteile sichtbar. Geändert hat das freilich wenig, an seinem Wert, und dem Durchschnittspreis aller Waren.

Doch wenn man diese Forderungen liest, fühlt man sich unweigerlich daran erinnert, dass der Euro für Viele auch zehn Jahre später noch immer nicht das “richtige Geld” ist. Und ein bisschen ist es ja auch so, denn die Mark gilt immernoch als Währung, und würde man jemand fragen, welches Geld wir in Deutschland hätten, wenn der Euro geht, wäre die Antwort: “Die De-Mark”. Menschen sind halt doch Gewohnheitstiere, und obwohl sie alle ständig von Forstschritt sprechen, tut der Mensch insgeheim doch nichts lieber, als ewig im Gestern zu verweilen.

Papiergeld und Münzen der deutschen Mark sind allerdings längst geschreddet und eingeschmolzen. Trotzdem scheint es, als sei sie nach wie vor die natürliche, zu Deutschland gehörende Währung, und der Euro nur “drüber gemalt”. Doch die De-Mark ist tot. Hoffentlich bald auch ganz.

Hätten wir sie wieder, und würde sie scheitern, so fiele die Antwort auf die Frage, welche Währung wir dann bekämen wohl nicht mehr so eindeutig aus. Und stellt euch vor, der Dollar stirbt. Womit bezahlt man in den einzelnen Staaten? Bestimmt nicht mit englischen Pfund! Denn die Probleme sind hausgemacht, im zerstrittenen Europa, das immer noch nicht so zusammen hält, wie es dem dritten Jahrtausend angemessend wäre. Die schnelle expansion Europas, gepaart mit dem noch immer nicht vorhandenen Gemeinschaftsgefühl, der fehlenden Bereitschaft, für andere Mitgliedsstaaten Verantwortung zu übernehmen, zeigt hier ihre deutlichste Auswirkung. Eine Nichtbeistands-Klausel meißelt das Ganze in Stein. Noch immer herrscht das Gefühl, dass “die Anderen” nicht dazu gehören, und in einem Interview fragt die TAZ: “Erklären Sie doch mal den Wählern in der Bundesrepublik Deutschland, warum sie hierzulande die Schuldenbremse akzeptieren und gleichzeitig für die Schulden der Südeuropäer auf ewig mit haften sollen.” Dabei ist die Antwort so einfach: Weil wir dazu in der Lage sind, und Europa zusammen gehört.

Fragt doch mal einen US-Amerikaner, warum er Anteil nehmen soll, an der finanziellen Situation eines anderen Bundesstaates. – Er wird euch vermutlich verständnislos ansehen. Denn der US-Amerikaner fühlt sich als Teil seines Bundesstaats, doch viel mehr noch, als Bürger der USA. Wenn die Welt zusammen arbeitet, wird sie für alle ein besserer Ort. Die EU ist der nächste Schritt. Nehmt sie an!

Schlagwörter: Euro , Geld , Griechenland , Schuldenkrise

5 Apr 2012

IPv6-Adressen werden knapp

Posted by Bachsau. 4 Kommentare

Provokanter Titel, ich weiß. Aber ich dachte ich lass mal den Propheten raushängen, und schreibe die Schlagzeilen von Morgen. Zur Zeit benutzt zwar noch kaum jemand IPv6, aber kaum dass sich das ändert, wird der Spaß auch schon vorbei sein, weil uns nämlich die Adressen ausgehen.

WAS? sagen jetzt sicher Einige. Spinnt der jetzt total? Wir könnten damit 340282366920938463463374607431768211456 Computer adressieren! Und ja, es stimmt. Wir könnten. Und eben in der Möglichkeitsform liegt schon das Problem, denn wir könnten auch mit IPv4 noch weit mehr Computer adressieren, als wir es derzeit tun. Wenn nicht jede Menge Leute auf jeder Menger Adressen sitzen würden, die sie niemals nutzen, und bei denen man sich hartnäckig weigert, sie einfach neu zu vergeben. Schließlich kann man den Adligen ja nicht den Schatzkeller plündern. Das wäre ja gemein. Wen stört es da, dass jemand anders etwas wichtiges damit anfangen könnte? Ja, und wenn ich mir derzeit so anschaue, was mit IPv6-Adressen gemacht wird, dann fällt mir vor allem eines auf: Die IANA hat aus der Vergangenheit nämlich ganz genau gar nichts gelernt. Damals wurde mit riesigen Subnetzen nur so um sich geschmissen, und seit das Netz nun größer geworden ist, wird einfach mit noch größeren Netzen geschmissen. Schon per definition gehen für die fragwürdige Trennung in Prefix und Interface Identifier 64 bit Adressbreite drauf. Wird nur ein solcher Prefix pro Haushalt vergeben, und in den meisten Fällen werden es mehr sein, macht das immerhin 18446744073709551616 mögliche Computer pro Haushalt. Das entspricht dann auch so ungefähr dem, was der durchschnittliche Surfer so daheim rumstehen hat. ;)

In der Wikipedia heiß es “Typischerweise bekommt ein Internetprovider die ersten 32 Bit zugewiesen”. Macht 79228162514264337593543950336 Computer pro Provider. Mehr als das ganze Internet heute mit IPv4 aufnehmen könnte, nämlich 4294967296, würden wir jede IP belegen. Per defintion reservierte Bereiche werden dabei nicht berücksichtigt. Und was bei IPv6 so alles nicht berücksichtigt wird, das möcht’ ich mir bei der unvorstellbar großen Zahl da ganz oben gar nicht erst ausrechnen.

“Wow, toll!” liest man immer wieder: “Wir können jeden Kühlschrank ans Internet anschließen!”. Yupp, und wir bekommen genug Adressen zugeteilt, um jeden Kühlschrank ein paar Millionen mal ans Internet anzuschließen. Und sehr bald schon wird’s genau dazu kommen, dass keine IPv6-Adressen mehr zur Verfügung stehen. Und weil die IANA nichts gelernt hat, wird sie sich dann verwundert die Augen reiben, wo all die Adressen hin sind. Denn eines haben sie nicht bedacht: Meine 18446744073709551616 Kühlschränke geb’ ich nicht mehr her. Schließlich waren die Teuer.

Schlagwörter: IANA , IPv6 , Verschwendung

2 Apr 2012

Wie man bei Google Books Anzeigelimit und Seitensperre umgeht

Posted by Bachsau. Keine Kommentare

Kennt ihr das? Man will etwas bei Google Books recherchieren, und ausgerechnet die Seite, auf der das benötigte vermeintlich steht, ist nicht abrufbar? Zum Glück lässt sich das umgehen. Dazu braucht man nur ein Wort, das höchstwahrscheinlich auf dieser Seite vorkommt. Besser wenn es im restlichen Text nicht allzu häufig vorkommt, im Prizip ist das aber egal. Das gibt man dann links in die kleine Suchbox ein, und bekommt einen kurzen Ausschnitt um jedes Sucheregebnis herum angezeigt. Findet die Seite, die ihr braucht, und schreibt euch einen möglichst einzigarten Satz aus dem Schnipsel Wort-für-Wort ab. Den hackt ihr anschließend in eine neue Google-Suche (mit Anführungszeichen drum herum), und klickt das Sucherergebnis an. Voilà – Seite lesbar!

Schlagwörter: Bücher , Google

2 Apr 2012

Adobe gehört kopiert.

Posted by Bachsau. Keine Kommentare

Wenn es ein Unternehmen gibt, das absolut realitätsferne Summen für seine Produkte verlangt, dann ist es Adobe. Jemand dort sollte sich mal am Markt umschauen, zu welchen Preisen Software gehandelt wird. Schon für die Studenten-Ausgabe von Acrobat X Pro wollen die sage und schreibe 150 € haben, und das noch bei – achtungs, jetzt kommt’s – 80 % Rabatt! Die Standard-Version gibt es gar nicht für Studenten, und schlägt mit fast 500 € zu Buche. Dafür bekommt man bei Microsoft das komplette Office-Paket in der Professional-Version. Die Creative-Suite 5 wird derzeit von Adobe für rund 3500 € angeboten. Das muss man erst mal laut Aussprechen: Drei-tausend-fünf-hundert Euro! Realistisch betrachtet: Was würden sich andere Firmen erlauben, für ein Produkt wie Acrobt zu verlangen? Vielleicht zwischen 80 und 120 € für Studenten, 200 bis 250 für den Rest. Was ist die Software objektiv wert? Wenn’s hoch kommt 80 €. Aber zum Glück gibt’s ja Tauschbörsen… Ich bin wirklich kein Fan der Kostenlos-Mentalität, doch was zu viel ist, ist zu viel. Das kommt davon, wenn man den Hals nicht voll kriegt. Am Ende steht man mit leeren Händen da. Sorry, Adobe. Wirklich.

Schlagwörter: Abzocke , Adobe

23 Mrz 2012

Kleiner Hinweis an die Rechte-Industrie

Posted by Bachsau. Keine Kommentare

YouTube-Smiley Illegale Tauschbörsen sind auch in unserem Land verfügbar.
Das freut uns sehr.

Vielleicht mal drüber nachdenken.
(Bilder zum Kopieren: Banner oder Original-Box.)

14 Mrz 2012

Umlaut-Domains (IDN) richtig einrichten

Posted by Bachsau. Keine Kommentare

Acht Jahre ist es jetzt her, dass in Internet-Domains auch Umlaute möglich sind. Das ganze hat sich bis Heute nicht durchgesetzt. – Aus gutem Grund, denn leider haben die meisten Software-Entwickler einfach den Schuss nicht gehört. Normalerweise sollten IDNs unsichtbar sein, die Kodierung im Hintergrund arbeiten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Netz ist voll von “xn--irgendwas”-Domains, die auch genau so angezeigt werden. Und wer will schon eine kryptische Domain mit sinnlosen Zeichen besitzen? Welcher Nutzer kann oder will sich das merken?

Die Schuldigen:

  • Server-Entwickler. Apache beispielweise beherrscht bis heute keinen nativen Punycode. Die Folge ist, dass der sog. Hostname kodiert angegeben werden muss, und nicht zuletzt auch kodiert wieder ausgegeben wird, wenn Scripte auf Server-Variablen zurückgreifen.
  • Suchmaschinen, die sowohl kodierte als auch unkodierte Domains in ihren Index aufnehmen, was zu einem wüsten Link-Mix führt. Niemand der eine Umlaut-Domain besitzt, kann ernsthaft wollen, dass diese sich nur in kodierter Form verbreitet. Dabei wäre es so einfach für Google & co., Domains nur in der lesbaren Darstellung aufzunehmen.
  • Browser-Entwickler, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen, Domains und Links kodiert anzeigen, und außerdem eine Liste von TLDs führen, in denen internationale Domainnamen “erlaubt” sind. Es gibt keinen wirklich sinnvollen Grund, diese Kodierung nicht komplett zu verstecken, und außerdem grundsätzlich anzuwenden.

“Eigentlich ist das der richtige Name” heißt es dann. Aber “eigentlich” sind ASCII-Zeichen auch Bytecode. Trotzdem käme niemand auf die Idee, diese nur kodiert anzuzeigen. Und im Gegensatz zur unüberschaubaren Liste verschiedener Zeichensätze existiert mit Punycode sogar ein weltweit einheitlicher Standard. – Der dennoch oft ungenutzt bleibt. Die Folge ist, dass Website-Betreiber mit Umlauten im Namen setzen meist nach wie vor aus ASCII-Domains setzen, was auch deshalb sinnvoll ist, das sich diese Adressen auf jeder Tastatur problemlos eingeben lassen, aber trotzdem gezwungen sind, IDN-Domains zusätzlich zu registrieren, um zu verhindern, dass Domaingrabber ihre Nutzer auf völlig andere Seiten leiten.

Trotzdem gibt es für Seitenbetreiber, die auf Umlaut-Domains setzen einige Möglichkeiten, zumindest ein Stück weit darauf Einfluss zu nehmen, dass Ihre Domains auch so verwendet werden können, wie es ursprünglich gedacht war. Auf jeden Fall sollte darauf geachtet werden, die Domain in Links und im HTML-Code grundsätzlich nur mit Umlauten anzugeben. Die Browser sind in der Lage, diese umzuwandeln. Wer ärger mit Zeichensätzen vermeiden will, kann dabei auch gerne auf HTML-Entities zurückgreifen.

Ein code wie
<link rel="stylesheet" href="http://www.k&auml;sebrot.example/style.css" type="text/css" />
geht vollkommen klar.

Web-Scripte, beispielsweise Content-Management-Systeme, oder Foren- und Wiki-Software, bieten häufig die Möglichkeit, in den Einstellungen eine Domain fest vorzugeben, anstelle der automatischen Erkennung. IDN-Webmaster sollten diese Möglichkeiten nutzen.

Zu guter Letzt kann auch der Web-Server angewiesen werden, derartige Fehler gar nicht erst zu machen. Mit einem kleinen Workaround ist auch das möglich. Beispielsweise lässt sich für den Apache folgende Konfiguration wählen:

<VirtualHost>
    ServerName www.käsebrot.example
    ServerAlias www.xn--ksebrot-5wa.example
    UseCanonicalName On
</VirtualHost>

Hierbei muss leider unbedingt darauf geachtet werden, dass die Zeichenkodierung der Konfigurations-Datei mit der des HTML-Dokuments übereinstimmt. UTF-8 wird empfohlen.

Mit der Direktive “UseCanonicalName” zwingen wir den Apache, sich selbst grundsätzlich mit dem unter “ServerName” angegebenen Namen zu verlinken. Zusätzlich geben wir aber die kodierte Form unter “ServerAlias” an, denn der Apache kapiert sonst nicht, welchen vHost er nutzen soll. Nutzt man keine namensbasierten, virtuellen Hosts, kann der ServerAlias natürlich auch weg gelassen werden. Bei anderen Server-Produkten gibt es sicher ähnliche Möglichkeiten.

Beherzigt man diese Tipps, hat man eine relativ gute Chance, die eigene Domain so im Internet zu finden, wie man es gerne hätte: Lesbar und mit Umlauten.

Schlagwörter: Domains , IDN , Internet , Umlaute